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Groteske Situation


Auch wenn ich hier normalerweise nur über mein Hobby die Fotografie schreibe, so muss ich dieses mal eine Ausnahme machen und über eine groteske Situation berichten. Die habe ich natürlich versucht auch fotografisch umzusetzen, da ich ja nicht so der Schreiberling bin.

Zur Geschichte

Die zwei Dörfer Ober- und Unterfahlheim hatten zusammen quasi schon immer eine Schule * seit es einen allgemeinen Schulbetrieb überhaupt gibt. Für eine sehr lange Zeit war es gar die Einzige im Gebiet der heutigen Großgemeinde Nersingen und anderer naher Dörfer. Bis Anfang des 19. Jahrunderts gingen hier auch die Kinder aus Nersingen und Leibi zur Schule. Somit hat die Schule in Oberfahlheim also eine lange Tradition. Mitte der 1950er Jahre fiel dann die Entscheidung zum Bau eines neuen Schulgebäudes aufgrund stark gestiegener Schülerzahlen. Das neue Gebäude, welches bis heute hauptsächlich als Grundschule verwendet wird, gibt es so (nahezu Original) seit 1957.

Es herrscht eine groteske Situation um dieses Schulgebäude aus den 50ern.

„Welch schicker Oldtimer“, mag sich jetzt so manch einer denken und in Vintage-Gedanken verfallen. Zugegeben ist das gar nicht mal so verkehrt und die Kinder gehen dort noch immer gerne zur Schule. Naja, wer geht schon als Kind gern zur Schule, es gibt doch viel wichtigeres zu tun 🙂

Neulich hat der Gemeinderat beschlossen die Schule in ein paar Jahren für immer zu schließen und von da an alle Kinder (bis auf die Straßer) in der Nersinger Grundschule zu unterrichten. Die wird dann extra für teuer Geld dafür umgebaut, erweitert und erneuert. Als dieser Beschluss bekannt wurde regte sich nicht nur in mir ein gewisser Widerstand. Zuvor schon hatte sich bereits die Initiative: Rettet die GS Oberfahlheim gegründet, die seither fleißig gegen diesen Missstand angeht und die ich hier ein wenig unterstützen möchte.

Bekanntermaßen ist am Oberfahlheimer Schulgebäude ein recht großer Renovierungsstau entstanden. Ja, auch hier wurde das Schulwesen zu Grunde gespart. Und so ist gerade mal eine einzige energetische Sanierung bekannt – in all den Jahren. Die jetzt schon lange nötigen Sanierungsarbeiten sind wohl dermaßen kostenintensiv, sodass hier vom weiteren Betrieb der Schule abgesehen wurde…

Wie sich aber herausgestellt hat wird der Umbau der Nersinger Grundschule genauso teuer werden! Wie Grotesk!

Ich will die weiteren Umstände gar nicht weiter ausführen, das haben die Leute der Initiative schon sehr gut erledigt. Ich möchte vielmehr das Groteske an der Situation zum Ausdruck bringen:

Wurde hier wirklich im Sinne der Bevölkerung, also für die Allgemeinheit entschieden?

Wieviele Generationen sind hier bereits zur Schule gegangen und wurden dadurch geprägt?

Ich muss noch hinzufügen das die Schule idyllisch am Ortsrand in direkter Nähe zum Kindergarten liegt, nur durch eine Wiese getrennt. In nächster Nachbarschaft entsteht gerade ein Neubaugebiet – explizit für junge Familien ausgewiesen – und genau hier soll die Schule geschlossen werden?

Das sind nur ein paar der Fragen die mir durch den Kopf gehen und bei deren Versuch eine Antwort zu finden mir immer das Wort Grotesk dazwischen fällt.

Für mich steht fest:

Wenn diese Schule geschlossen wird, stirbt damit ein wichtiger Teil langjähriger Tradition. Gleichzeitig geht damit wieder ein weiteres Stück Identität verloren. – Identität gehört zur Heimat und die ist wichtig – nicht nur für die heranwachsenden Kinder. Gerade in einer Zeit wie dieser, die von Krisen geprägt und mit vielen sozialen Unsicherheiten gespickt ist. Und genau deshalb könnte man jetzt auch mal damit anfangen wie eine „Groß-Gemeinde“ zu denken. Eine in der auch alle Ortsteile mit ihren Bewohnern ihre Identität haben und behalten dürfen.

Schulhof mit Basketballkorb

Oder was wäre wenn? Der Tradition folgend, in Oberfahlheim eine neue Grundschule für die ganze Gemeinde gebaut würde? Könnte dann in Nersingen auf dem dem jetzigen Schulgelände endlich die schon seit Jahren angedachte und viel diskutierte Mehrzweckhalle entstehen??? ….So ganz zentral und unweit vom Rathaus….

*Einer elchingischen Chronik verdanken wir die Nachricht, dass in Fahlheim schon mind. Seit 1606 Schule gehalten wurde. „Ist zu Fahlheim ein Amtshaus und ein Schulhaus gebauet worden“, lautet der Eintrag.

Hans Enderle: Oberfahlheim Unterfahlheim – Zwei Dörfer und ihre Geschichte in alter und neuer Zeit, 1987, S. 428